Abgeschlossene Qualifikationsprojekte (INTERN)

Beschreibung

Untersucht wird Ernst Gauglers Auslegung im zeitgenössischen Kontext der 1930er- und 1940er-Jahre, besonders im Vergleich mit Karl Barths „Kurze(r) Erklärung des Römerbriefs“, um die Eigenart von Gauglers Arbeit als einer ekklesiologisch bestimmten Auslegung zu zeigen. Es soll dargelegt werden, dass und wie in der Auslegung die Fragen nach dem Sein Gottes und nach dem Sein der Kirche eng aufeinander bezogen sind – als wesentliche Voraussetzung dafür, die Frage nach der Offenheit zu klären. Auch wenn in der Entstehungszeit von Vorlesung und (gedrucktem) Kommentar zum Römerbrief die Frage nach einer Begegnung von Christen und Juden „auf Augenhöhe“ noch nicht gestellt wurde (traditionell tauchte sie nur als sog. „Judenfrage“ auf), so enthält die hier untersuchte Auslegung doch implizite, auf diese Begegnung hin offene Antworten; d.h. es soll gezeigt werden, wie die Auslegung einerseits noch Fragmente der christlichen „Enterbungstheologie“ tradiert, anderseits da, wo sie gegen individualistische Engführungen des Glaubensbegriffs Gottes Sein als Geschichte betont, Türen zu einer christlich–jüdischen Begegnung öffnet.

Diese Arbeit versucht, die Geschichte, Methoden und Probleme zu benennen, die sich im Zusammenhang mit den ökumenischen Beziehungen der syrischen Mar-Thoma Kirche mit anderen Kirchen ergeben. Die Annahme, die der Studie zugrunde liegt, ist, dass die Geschichte der Kirche vom Gesichtspunkt ihrer Partizipation in der ökumenischen Bewegung betrachtet werden kann. Andere Fragen, die von der Studie aufgegriffen werden, sind z.B., wie die Kirche bereits eine „weitere Ökumene“ praktizierte bevor der Begriff von der ökumenischen Bewegung geprägt wurde. War es das Ergebnis ihrer Interaktion mit der indischen Kultur, in der „Einheit in der Vielfalt“ einen hohen Stellenwert hat? Der Aspekt der weiteren Ökumene in der Einheit macht langsam einer inklusiveren „Einheit der Menschheit“ für das Allgemeinwohl von Gottes Schöpfung Platz. Die Studie erforscht ausserdem, ob die Kirche ihre Existenz als Resultat einer Inkarnation des Evangeliums im pluralistischen Kontext Indiens sieht. Oder sieht sie die „weitere Ökumene“ als Voraussetzung für ihre Existenz in Indiens multi-religiösem Kontext? Die Dissertation möchte die Offenheit der Mar-Thoma Kirche für eine „Einheit in der Vielfalt“ im Laufe ihrer Geschichte aufzeigen.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Briefkorrespondenz des ersten christkatholischen Bischofs, Prof. Eduard Herzog, und seines Kollegen Eugène Michaud hat sich die Dissertation zum Ziel gesetzt, beider briefliche Kontakte mit Drittpersonen aus anderen Kirchen zu untersuchen und sie in Bezug auf die historische Entwicklung der internationalen Beziehungen der christkatholischen Kirche der Schweiz auszuwerten. Dies ist von besonderem Interesse, weil beide Protagonisten eine unterschiedliche ökumenische Programmatik vertreten und sich in ihrer Haltung zu anderen Kirchen unterscheiden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Ekklesiologie, die sich in den internationalen Beziehungen und der Korrespondenz Eduard Herzogs zeigt. So sollen Impulse für heutiges christkatholisches Kirche-Sein und eine christkatholische ökumenische Agenda gegeben werden.

 (englischer Titel: The Offices and the Organisation of the Church in the Pastoral Epistles under the Influence of the Hellenistic and Roman Voluntary Associations)

Die moderne Bibelforschung der letzten 35 Jahre hat sich auf die Untersuchung verschiedenster Gesellschaftsformen der Römischen Zeit konzentriert, mit dem Zweck herauszufinden, welche davon bei der Entstehung der Ekklesia am einflussreichsten war.
Die heutige Forschung muss sich neuen Gebieten stellen, allen voran den politischen Dimensionen der christlichen Ekklesia, welche sowohl ihre inneren wie auch ihre äusseren Beziehungen beeinflussten.
Die Arbeit will in erster Linie untersuchen, welchen Einfluss polis/politeia und andere politische Institutionen auf die Organisation der frühchristlichen Ekklesia als Alternativgesellschaft hatten. Dies ist insofern wichtig als es aufzuzeigen vermag, wie Menschen mit verschiedenen Zielen im Römischen Reich in dieser Institution vereint waren.
Von besonderem Interesse ist das Verständnis der lokalen Eigenarten der Ekklesia in Ephesus und auf Kreta, wie sie in den Pastoralbriefen beschrieben werden. Auch die Bedingungen, die zur Bildung der ekklesialen Hierarchie geführt haben, sowie die politischen Einflüsse auf den Gehalt und die Funktion jedes Amtes werden untersucht.

Aufbau und Funktionsweise des Gehirns haben sich in den letzten 2000 Jahren nicht verändert. Was sich jeweils verändert, ist die Einbettung von (religiösen) Erfahrungen – verstanden als biopsychosoziale Phänomene – in unterschiedliche kulturelle und soziale Systeme. Insofern lassen sich z. B. bei Berichten, deren Hintergrund ein traumatisches Ereignis bildet, typische (akute) Traumafolgen-Symptome entdecken, wie sie heutigen diagnostischen Klassifizierungen entsprechen.

Das Projekt sucht nach Spuren solcher Traumafolgen-Symptome in der „Emmausgeschichte“ (Lk 24,13–35), deren Hintergrund die (akut)traumatische Erfahrung von Kreuzigung und Tod des Jesus von Nazareth bildet, und fragt, welche spezifischen Dimensionen der Bewältigung dieser Erfahrung vor dem damaligen soziokulturellen Hintergrund dieser Text widerspiegelt.
Mit Hilfe eines interdisziplinären Ansatzes werden die Vorgänge in Lk 24,13–35 als durch äussere visionäre Ereignisse angestossene, heilsame synergetisch-biopsychosoziale Informationsverarbeitungs- und Rekonstruktionsprozesse gedeutet. Man kann diese Prozesse als narrative Re-Konstruktionen der „Ereignisse in Jerusalem“ (Lk 24,18) unter Zuhilfenahme von damals in der Umwelt zur Verfügung stehenden Wissenselementen verstehen. Der Gang der beiden Jünger von Jerusalem nach Emmaus und zurück ist eine spirituelle Reise (sinngebende Erfahrung), deren lebensverändernde Wahrheit und Wirklichkeit sich jedoch erst in zeichenhaft vermittelten leiblichen Erfahrungen (Embodiment) und intersubjektiven Bestätigungen (resonanzhaften Spiegelungen) erweist.
Die herausgearbeiteten Bewältigungsdimensionen einer traumatischen Erfahrung werden in Bezug zu neueren traumatherapeutischen Ansätzen gesetzt, um daraus das Modell einer „Spirituellen Traumafolgen-Therapie“ auf der Basis des lukanischen Textes zu entwickeln.

Dieses Habilitationsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, ob und inwiefern die Alte Kirche für die Theologie (auch) heute eine kriteriologische Funktion übernehmen kann. „Kriteriologische Funktion“ meint hier: Die Alte Kirche ist in einer bestimmten – im Lauf der Untersuchung genauer zu klärenden – Weise relevant, ja verbindlich für die heutige Theologie. Berufung auf die Alte Kirche geschieht in christkatholischer Theologie, aber auch in der ökumenischen Diskussion, oft ganz selbstverständlich. Nur selten wird explizit reflektiert, welche Funktion diese Berufung auf die Alte Kirche im theologischen Diskurs hat und wie sich die vorausgesetzte Normativität der Alten Kirche im Rahmen einer theologischen Argumentations- und Erkenntnislehre legitimieren lässt. Genau dies will das Forschungsprojekt mittels dogmen- und theologiegeschichtlicher Fallstudien sowie fundamentaltheologischer Grundlagenreflexionen leisten.

Grigor Grigorian untersucht in seiner Dissertation einen Text, der für das christologische Denken der armenischen Kirche in der Zeit nach dem Konzil von Chalcedon (5. bis 6. Jh.) eine wichtige Rolle spielte: Die im griechischen Original verschollene, nur in einer altarmenischen Übersetzung erhaltene Schrift ist eine Kritik am „Tomus Leonis“ und an der Glaubensdefinition des Konzils von Chalcedon. Der erste Teil der Arbeit bietet zunächst eine neue Edition des altarmenischen Textes (vollständig nur in einer Handschrift aus dem 10. Jh. erhalten) und eine englische Übersetzung, verbunden mit der Identifizierung der Kirchenväterzitate, aus denen die „Widerlegung“ zum grössten Teil besteht. In einem zweiten Teil wird die christologische Lehre des Timotheus Aelurus aufgrund dieses Textes erörtert. In einem Vergleich seiner Christologie mit der des Cyrillus von Alexandrien wird ferner untersucht, ob und wie er in seiner Kritik an der Zwei-Naturen-Lehre Denken und Begrifflichkeit des alexandrinischen Theologen, den er am meisten zitiert, rezipiert hat.

Wer die unterschiedlichen Entwürfe für eine Predigtstruktur, die in der Geschichte gängig gewesen sind, betrachtet, bemerkt, dass immer wieder vergleichbare Grundmuster auftauchen. Zum Teil lassen diese sich dadurch erklären, dass Homiletiker und Prediger von den Modellen der klassischen Rhetorik ausgingen. Dies war jedoch nachweislich nicht immer der Fall. Dass trotzdem immer wieder vergleichbare Aufbauschemen auftauchen, wirft die Frage auf, ob sich dahinter eine innere Logik verbirgt. Semiotische Modelle aus der Pariser Schule sollen ein neues Licht auf diese Frage werfen.

Empirische Untersuchungen zur kirchlichen Erwachsenentaufe haben bisher nur wenige der unterschiedlichen Gründe in Betracht gezogen, die Erwachsene dazu veranlassen sich taufen zu lassen. Auch in der bisherigen theologischen Diskussion und Taufpraxis sind diese Gründe vernachlässigt worden. Deshalb wurde für diese Arbeit eine explorative und deskriptive Herangehensweise gewählt.
Im ersten Teil wird zunächst in einer Einführung das kirchliche Umfeld beschrieben, anschliessend werden theologische Überlegungen zur Erwachsenentaufe angestellt.
Der zweite Teil der Dissertation zielt auf die rituelle Praxis der Erwachsenentaufe in der Schweiz. Dazu wurden Interviews (mit mehreren Pfarrern/innen in der Schweiz) in der reformierten, römisch-katholischen, christkatholischen und orthodoxen Kirche über die Praxis der Erwachsenentaufe durchgeführt.
Im Rahmen verschiedener Konfessionen wird auch nach dem Katechumenenunterricht gefragt, um nachzuzeichnen, wie der Katechumenat praktiziert wird und was für eine Rolle er bei der Vorbereitung spielt.
Der dritte Teil der Arbeit behandelt die ökumenische Erfahrung im Umgang mit der Taufe. Thematisiert werden die typischen „Stolpersteine“ der kirchlichen Erwachsenentaufe in verschiedenen Kirchen, sowie die Erkenntnisse über kirchliche Beschlüsse zur Taufe.

Durch die päpstliche Bulle „Reversurus“ (1867) wurden die eigenkirchlichen Rechte der Armenisch-Katholischen Kirche auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches stark reduziert, was zu einem Konflikt und schliesslich – in der Folge der Dogmatisierung der Unfehlbarkeit des Papstes durch das Erste Vatikanische Konzil (1869-70) – 1871 zu einer zeitweiligen Kirchenspaltung führte. Der Konflikt entfaltete sich bald von der nationalen zur internationalen, von der kirchenpolitischen zur politischen Ebene. Im Verlauf dieser Krise entwickelten die armenischen Katholiken freundschaftliche Beziehungen zur alt-katholischen Bewegung im Deutschen Reich und zur entstehenden Christkatholischen Kirche der Schweiz sowie zur Kirche von England. Gemeinsam bildeten sie eine anti-ultramontane Front gegen den durch das Vatikanische Konzil dogmatisch legitimierten päpstlichen Autoritätsanspruch, seine kirchliche Umsetzung und seine politischen Auswirkungen  in den einzelnen Ländern. Eine ausführliche Darstellung dieser Geschichte mit allen ihren Facetten fehlt bis heute. Die Beziehungen der armenischen Katholiken zu den Alt-Katholiken und Anglikanern sind bisher nicht erforscht worden. Dabei gibt es viele Quellen, die der Aufarbeitung harren. Mit dem Dissertationsprojekt soll ein Forschungsdesiderat erfüllt werden, indem die Rolle der Hauptprotagonisten erörtert, die transnationale Bedeutung und Dimension des Konflikts, die eminente Bedeutung des Verhältnisses zwischen armenischer Kirche und osmanischer Obrigkeit sowie die Rolle der osmanischen und verschiedener europäischer Regierungen erhellt werden. Für die Analyse werden die für die Kirchengeschichtsschreibung üblichen historischen Methoden angewendet, ergänzt durch neuere Forschungen im Bereich von Konfliktforschung und transnationaler Beziehungsforschung. Das Projekt leistet einen Beitrag zur modernen armenischen (Kirchen-)Geschichtsschreibung im Osmanischen Reich und zur Geschichte anti-ultramontaner Bewegungen im 19. Jahrhundert, ihren Verbindungen untereinander sowie ihren vielschichtigen Verknüpfungen mit politischen Anliegen europäischer und osmanischer Mächte im 19. Jahrhundert.

Das Dissertationsprojekt wird gefördert durch den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF).

Der Laientheologe Aleksandr A. Kireev (1832–1910) war einer der wichtigsten und engagiertesten Gesprächspartner der russischen Orthodoxie, die sich seit den frühen 1870er-Jahren aus teilweise unterschiedlichen Gründen für den Altkatholizismus zu interessieren begann – wovon eine umfangreiche, heute aber so gut wie unbekannte russische Literatur zur „Altkatholischen Frage“ zeugt. Die Dissertation hat eine kommentierte zweisprachige Ausgabe der ungedruckten Tagebuchaufzeichnungen Kireevs zum Ziel, soweit sie die orthodoxen Beziehungen zum Altkatholizismus betreffen.