Abgeschlossene Qualifikationsprojekte

Die Berner Habilitationsschrift von Andreas Krebs erscheint vermutlich 2017 in überarbeiteter Fassung.

Durch die päpstliche Bulle Reversurus (1867) wurden die eigenkirchlichen Rechte der Armenisch-Katholischen Kirche auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches eingeschränkt, was zu einem Konflikt und schliesslich – in der Folge der Dogmatisierung der Unfehlbarkeit des Papstes durch das Erste Vatikanische Konzil (1869-70) – zur zeitweiligen Kirchenspaltung (1871) führte. Der Konflikt entfaltete sich bald von der nationalen zur internationalen, von der kirchenpolitischen zur politischen Ebene. Im Verlauf dieser Krise entwickelten die armenischen Katholiken freundschaftliche Beziehungen zur alt-katholischen Bewegung im Deutschen Reich und zur entstehenden Christkatholischen Kirche der Schweiz sowie zur Kirche von England und bildeten mit ihnen eine anti-ultramontane Front gegen den durch das Erste Vatikanische Konzil (1870) dogmatisch legitimierten päpstlichen Autoritätsanspruch und seine kirchliche Umsetzung sowie seine politischen Auswirkungen  in den einzelnen Ländern. Eine ausführliche Darstellung dieser Geschichte mit allen ihren Facetten fehlt bis heute. Die Beziehungen der armenischen Katholiken zu den Alt-Katholiken und Anglikanern sind bisher nicht erforscht worden. Dabei gibt es viele Quellen, die der Aufarbeitung harren. Durch diese Forschung ist beabsichtigt, ein Forschungsdesiderat zu erfüllen, die Rolle der Hauptprotagonisten zu erörtern, die transnationale Bedeutung und Dimension des Konflikts, die eminente Bedeutung des Verhältnisses zwischen armenischer Kirche und osmanischer Obrigkeit sowie die Rolle der osman. und verschiedener europäischer Regierungen zu verdeutlichen. Für die Analyse werden die für die Kirchengeschichtsschreibung üblichen historischen Methoden angewendet, ergänzt durch neuere Forschungen im Bereich von Konfliktforschung und transnationaler Beziehungsforschung. Dieses Projekt leistet einen Beitrag zur modernen armenischen (Kirchen-)Geschichtsschreibung im Osmanischen Reich und zur Geschichte anti-ultramontaner Bewegungen im 19. Jahrhundert und ihren Verbindungen untereinander sowie ihren vielschichtigen Verknüpfungen mit politischen Anliegen europäischer und osmanischer Mächte im 19. Jahrhundert.

Die moderne Bibelforschung der letzten 35 Jahre hat sich auf die Untersuchung verschiedenster Gesellschaftsformen der Römischen Zeit konzentriert, mit dem Zweck herauszufinden, welche davon bei der Entstehung der Ekklesia am einflussreichsten war.
Die heutige Forschung muss sich neuen Gebieten stellen, allen voran den politischen Dimensionen der christlichen Ekklesia, welche sowohl ihre inneren wie auch ihre äusseren Beziehungen beeinflussten.
Die Arbeit will in erster Linie untersuchen, welchen Einfluss polis/politeia und andere politische Institutionen auf die Organisation der frühchristlichen Ekklesia als Alternativgesellschaft hatten. Dies ist insofern wichtig als es aufzuzeigen vermag, wie Menschen mit verschiedenen Zielen im Römischen Reich in dieser Institution vereint waren.
Von besonderem Interesse ist das Verständnis der lokalen Eigenarten der Ekklesia in Ephesus und auf Kreta, wie sie in den Pastoralbriefen beschrieben werden. Auch die Bedingungen, die zur Bildung der ekklesialen Hierarchie geführt haben, sowie die politischen Einflüsse auf den Gehalt und die Funktion jedes Amtes werden untersucht.

Typ: DissertationAusführung: Kyriaki Meletsi

Betreuung: Prof. em. Dr. Urs von Arx

Förderung: Stipendiatin der Christkatholischen Kirche der Schweiz

Aufbau und Funktionsweise des Gehirns haben sich in den letzten 2000 Jahren nicht verändert. Was sich jeweils verändert, ist die Einbettung von (religiösen) Erfahrungen – verstanden als biopsychosoziale Phänomene – in unterschiedliche kulturelle und soziale Systeme. Insofern lassen sich z. B. bei Berichten, deren Hintergrund ein traumatisches Ereignis bildet, typische (akute) Traumafolgen-Symptome entdecken, wie sie heutigen diagnostischen Klassifizierungen entsprechen. Das Projekt sucht nach Spuren solcher Traumafolgen-Symptome in der „Emmausgeschichte“ (Lk 24,13–35), deren Hintergrund die (akut)traumatische Erfahrung von Kreuzigung und Tod des Jesus von Nazareth bildet, und fragt, welche spezifischen Dimensionen der Bewältigung dieser Erfahrung vor dem damaligen soziokulturellen Hintergrund dieser Text widerspiegelt. Mit Hilfe eines interdisziplinären Ansatzes werden die Vorgänge in Lk 24,13–35 als durch äussere visionäre Ereignisse angestossene, heilsame synergetisch-biopsychosoziale Informationsverarbeitungs- und Rekonstruktionsprozesse gedeutet. Man kann diese Prozesse als narrative Re-Konstruktionen der „Ereignisse in Jerusalem“ (Lk 24,18) unter Zuhilfenahme von damals in der Umwelt zur Verfügung stehenden Wissenselementen verstehen. Der Gang der beiden Jünger von Jerusalem nach Emmaus und zurück ist eine spirituelle Reise (sinngebende Erfahrung), deren lebensverändernde Wahrheit und Wirklichkeit sich jedoch erst in zeichenhaft vermittelten leiblichen Erfahrungen (Embodiment) und intersubjektiven Bestätigungen (resonanzhaften Spiegelungen) erweist. Die herausgearbeiteten Bewältigungsdimensionen einer traumatischen Erfahrung werden in Bezug zu neueren traumatherapeutischen Ansätzen gesetzt, um daraus das Modell einer „Spirituellen Traumafolgen-Therapie“ auf der Basis des lukanischen Textes zu entwickeln.

Diese Arbeit versucht, die Geschichte, Methoden und Probleme zu benennen, die sich im Zusammenhang mit den ökumenischen Beziehungen der syrischen Mar-Thoma Kirche mit anderen Kirchen ergeben. Die Annahme, die der Studie zugrunde liegt, ist, dass die Geschichte der Kirche vom Gesichtspunkt ihrer Partizipation in der ökumenischen Bewegung betrachtet werden kann. Andere Fragen, die von der Studie aufgegriffen werden, sind z.B., wie die Kirche bereits eine „weitere Ökumene“ praktizierte bevor der Begriff von der ökumenischen Bewegung geprägt wurde. War es das Ergebnis ihrer Interaktion mit der indischen Kultur, in der „Einheit in der Vielfalt“ einen hohen Stellenwert hat? Der Aspekt der weiteren Ökumene in der Einheit macht langsam einer inklusiveren „Einheit der Menschheit“ für das Allgemeinwohl von Gottes Schöpfung Platz. Die Studie erforscht ausserdem, ob die Kirche ihre Existenz als Resultat einer Inkarnation des Evangeliums im pluralistischen Kontext Indiens sieht. Oder sieht sie die „weitere Ökumene“ als Voraussetzung für ihre Existenz in Indiens multi-religiösem Kontext? Die Dissertation möchte die Offenheit der Mar-Thoma Kirche für eine „Einheit in der Vielfalt“ im Laufe ihrer Geschichte aufzeigen.

Untersucht wird Ernst Gauglers Auslegung im zeitgenössischen Kontext der 1930er- und 1940er-Jahre, besonders im Vergleich mit Karl Barths „Kurze(r) Erklärung des Römerbriefs“, um die Eigenart von Gauglers Arbeit als einer ekklesiologisch bestimmten Auslegung zu zeigen. Es soll dargelegt werden, dass und wie in der Auslegung die Fragen nach dem Sein Gottes und nach dem Sein der Kirche eng aufeinander bezogen sind – als wesentliche Voraussetzung dafür, die Frage nach der Offenheit zu klären. Auch wenn in der Entstehungszeit von Vorlesung und (gedrucktem) Kommentar zum Römerbrief die Frage nach einer Begegnung von Christen und Juden „auf Augenhöhe“ noch nicht gestellt wurde (traditionell tauchte sie nur als sog. „Judenfrage“ auf), so enthält die hier untersuchte Auslegung doch implizite, auf diese Begegnung hin offene Antworten; d.h. es soll gezeigt werden, wie die Auslegung einerseits noch Fragmente der christlichen „Enterbungstheologie“ tradiert, anderseits da, wo sie gegen individualistische Engführungen des Glaubensbegriffs Gottes Sein als Geschichte betont, Türen zu einer christlich–jüdischen Begegnung öffnet.